Verhütung mit chronischen Krankheiten
1. Was ist eine chronische Krankheit? Definition.
2. [Grafik] Krankheitsverlauf akut versus chronisch krank
3. Hormonfreie Verhütung mit GyneFIX® für chronisch kranke Frauen
4. Chronische Krankheiten Liste: Empfehlungen der WHO – Verhütungsmethoden
5. Verhütung mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung
6. FAQ: Häufige Fragen zu Verhütung bei chronisch kranken Frauen
Chronische Krankheiten und Verhütung sind zwei Themen, die eng miteinander verknüpft sein können. Für Frauen mit chronischen Erkrankungen ist die Wahl von Verhütungsmitteln besonders wichtig, da bestimmte Methoden Wechselwirkungen mit Medikamenten oder Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben können. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat daher Empfehlungen zur Verhütung bei chronischen Krankheiten herausgegeben, auf die sich dieser Artikel stützt. Ziel ist es, Betroffenen eine fundierte Orientierung für eine sichere und verträgliche Empfängnisverhütung zu geben.
Was ist eine chronische Krankheit? Definition.
Eine chronische Krankheit, auch als nichtübertragbare Krankheit bezeichnet, ist eine lang anhaltende Gesundheitsstörung, die sich durch eine lange Dauer und einen meist langsam fortschreitenden Verlauf auszeichnet. Dabei muss als Kriterium erfüllt sein, dass die Patientin oder der Patient mindestens einmal im Quartal Ärztinnen oder Ärzte aufsuchen und zusätzlich entweder Pflegegrad 3, 4 oder 5 hat oder einen Grad der Behinderung von mindestens 60 %. Die WHO definiert chronisch Erkrankungen als
„lange andauernde und im Allgemeinen langsam fortschreitende Krankheiten.“
Weltgesundheitsorganisation (WHO). (1998). Policy Brief 6: Chronische Krankheiten – Prävention und Kontrolle nichtübertragbarer Krankheiten. Genf: WHO Document Production Services. Verfügbar unter: https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/332268/Policy-brief-6-1998-4219-ger.pdf?sequence=1 [Zugriff: 06.03.25].
Im Gegensatz zu akuten Erkrankungen haben chronische Krankheiten oft keinen klar bestimmbaren Ausgangspunkt, sondern entwickeln sich schleichend über einen längeren Zeitraum. Sie sind nicht von Person zu Person übertragbar und entstehen durch eine Kombination aus genetischen, physiologischen, umweltbedingten und verhaltensbezogenen Faktoren. Zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Frauen in Deutschland zählen:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck¹
- Krebs, insbesondere Brustkrebs² (z.B. HER2-positiver Brustkrebs)
- chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD³
- Diabetes mellitus mit 8,2 % der Frauen in Deutschland³,
- muskuloskelettale Erkrankungen, darunter Arthrose und Rückenschmerzen und
- psychische Gesundheitsprobleme wie Depressionen.³
Chronische Krankheiten stellen eine erhebliche physische und psychische Belastung dar und sind in der europäischen Region der WHO für 86 % der Todesfälle verantwortlich.⁴ Trotz des demografischen Wandels, der die Bevölkerung immer älter werden lässt, sind immer häufiger junge Menschen von chronischen Erkrankungen betroffen. Chronische Erkrankungen erfordern in der Regel eine kontinuierliche medizinische Versorgung und können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Viele dieser Krankheiten lassen sich nicht kausal, sondern nur symptomatisch behandeln. Risikofaktoren wie ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Tabakkonsum und unzureichend kompensierter Stress spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung chronischer Krankheiten. Trotz ihrer langfristigen Natur können viele chronische Krankheiten durch Änderungen des Lebensstils in ihrem Verlauf positiv beeinflusst werden.
[Grafik] Krankheitsverlauf akut / chronisch krank
Das Diagramm zeigt den Verlauf einer akuten im Vergleich zu einer chronischen Krankheit über einen Zeitraum von 36 Monaten. Der akute Krankheitsverlauf ist durch einen plötzlichen und intensiven Anstieg des Schweregrads der Symptome gekennzeichnet, der jedoch schnell und vollständig wieder abklingt. Im Gegensatz dazu zeigt der chronische Krankheitsverlauf eine langfristige, schwankende Symptomatik mit wiederkehrenden Spitzen, die nie vollständig abklingen.
Im Kontext der chronischen Krankheiten und Verhütung verdeutlicht diese Grafik die Bedeutung der gewählten Verhütungsmethode, da chronisch kranke Menschen jahrelang oder gar ein Leben lang zu berücksichtigende gesundheitliche Ausnahmen darstellen, auch bei der Verhütung.
Hormonfreie Verhütung mit GyneFIX® für Frauen mit chronischer Erkrankung
Hormonfreie Verhütung mit GyneFIX® für chronisch kranke Frauen
Die Wahl der richtigen Verhütungsmethode ist für chronisch kranke Frauen eine besondere Herausforderung. Die Kupferkette GyneFIX® bietet eine vielversprechende Option, da sie als Verhütung ohne Hormone fungiert, und, anders als hormonelle Kontrazeptiva, nicht in den Stoffwechsel eingreift und auf spezifische gesundheitliche Anforderungen Rücksicht nimmt. Zu den wichtigsten Vorteilen von GyneFIX® für Frauen mit chronischen Erkrankungen zählen dabei:
- Hormonfreiheit, denn Schwankungen des Hormonhaushalts können chronische Symptomatiken negativ beeinflussen oder auslösen.
- Hohe Verträglichkeit, denn die flexible Bauweise der Minispirale passt sich den natürlichen Bewegungen der Gebärmutter an und bereitet keine zusätzlichen Irritationen, Schmerzen oder Einschränkungen im alltäglichen Leben.
- Langzeitverhütung ohne tägliche Belastung, sodass zum einen ein sicherer Verhütungsschutz auf lange Sicht gewährleistet ist, auch während eines langwierigen Krankheitsverlaufs. Je nach GyneFIX® Modell bietet diese zuverlässige Verhütung für 5 oder 10 Jahre. Und es fallen keine täglichen zusätzlichen Belastungen in Form von Aufmerksamkeit und Sorgfalt an, insbesondere für Frauen, die psychisch zu kämpfen haben oder Tag für Tag mit der Behandlung ihrer chronischen Krankheit beschäftigt sind.
- Keine systemischen Nebenwirkungen, denn die Kupferabgabe der GyneFIX® wirkt lokal in der Gebärmutter und nicht im Körperkreislauf.
- Keine Wechselwirkungen mit Medikamenten, sodass deine Verhütung die Therapie einer chronischen Erkrankung (bspw. mit monoklonalen Antikörpern bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung) nicht beeinflusst oder beeinträchtigt.
›› Mehr zur Verhütung bei Morbus Behçet lesen.
Chronische Krankheiten Liste: Empfehlungen der WHO - Verhütungsmethoden
Wir haben eine Liste zusammengestellt, die jene chronischen Krankheiten bei Frauen im gebärfähigen Alter enthält, die mit einem Kupfer-IUD als Verhütungsmittel am besten beraten sind. Zu jeder der aufgelisteten chronischen Erkrankungen hat die WHO die Empfehlung ausgesprochen, dass ein Kupfer-IUD für chronisch kranke Frauen, das am besten mit ihren gesundheitlichen Voraussetzungen vereinbare Verhütungsmittel ist. Die dazugehörigen Daten lassen sich der Contraception App der WHO entnehmen.
In der App gibst du unter Conditions am besten den Begriff in die Suchleiste ein, den wir hier in der Liste mit einem > angefügt und blau geschrieben haben. So solltest du die Empfehlung im Handumdrehen finden.
Mit diesen chronischen Krankheiten solltest du, laut WHO Contraception App, mit einem Kupfer-IUD, einer klassischen Kupferspirale, dem Kupferball oder der Kupferkette GyneFIX® verhüten, da ihr Nutzen die Risiken überwiegt:
- Herz-Kreislauf-Erkrankung (Kardiovaskuläre Erkrankung), darunter KHK – Koronare Herzkrankheit > Cardiovascular Disease
- Venenthrombose (Venöse Thromboembolie VTE) und postthrombotisches Syndrom > DVT
- Bluthochdruck (Hypertonie) ab 160 / 100 mmHg > Hypertension
- Migräne mit Aura und ohne Aura > Headaches
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) I und II > Diabetes
- Nervenkrankheit (Neuropathie) > Diabetes (dann > Nephropathy)
- Leberzirrhose > Cirrhosis
- Lebertumor (Leberkarzinom) > Liver Tumours
- Brustkrebs (Mammakarzinom) > Breast Disease
- Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes) > SLE
- Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) > Gall Bladder Disease
- Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie) > Dyslipidaemias
- Schlaganfall (Apoplex) > Stroke
Verhütung mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung
Frauen, die an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (IBD= Inflammatory Bowel Disease), also Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, leiden, wird die intrauterine Verhütung empfohlen. Ein Kupfer-IUD, darunter die Kupferkette GyneFIX®, wird als langwirksame und reversible Verhütungsmethode (LARC) klassifiziert und gilt für Frauen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen als geeignet. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt die Anwendung bei IBD-Patientinnen ohne Einschränkungen, da keine krankheitsspezifischen Nebenwirkungen bekannt sind. Ein wichtiger Unterschied zur Hormonspirale besteht jedoch darin, dass für das IUD auf Kupferbasis keine lindernde Wirkung auf zyklusabhängige IBD-Symptome wie verstärkte Durchfälle während der Menstruation beschrieben wird.
„The CDC* recommends these forms of contraception in women with IBD without restriction.“
Martin, J., Kane, S. V., & Feagins, L. A. (2016). Fertility and Contraception in Women With Inflammatory Bowel Disease. Gastroenterology & Hepatology, 12(2), 101–109. [Zugriff: 18.02.26]. *CDC= Centers for Disease Control and Prevention
FAQ: Häufige Fragen zu Verhütung bei chronisch kranken Frauen
Du giltst als chronisch krank, wenn du seit mindestens einem Jahr regelmäßig wegen derselben Erkrankung in ärztlicher Behandlung bist (mindestens einmal im Quartal) und zusätzliche Kriterien wie Pflegebedürftigkeit des Pflegegrades 3, 4 oder 5 oder eine Einstufung als Behinderung von mindestens 60 %. Eine Erkrankung kann schwerwiegend chronisch sein oder milder, sobald sie jedoch diese Kriterien erfüllt, gilt sie als chronische Krankheit. Für eine individuelle Einschätzung und Diagnose solltest du selbstverständlich einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.
„Chronische Krankheiten haben eine lange Latenzzeit und beginnen meist schleichend oder schubweise. [...] Sie beeinträchtigen Menschen über längere Zeiträume oder das gesamte weitere Leben (begrenzte bzw. unbegrenzte Chronizität)“⁵
Chronische Erkrankungen können nicht vollständig geheilt werden, jedoch lassen sich ihre Symptome durch langfristige medizinische Betreuung und Lebensstiländerungen oft gut kontrollieren.
„Bei der therapeutischen Intervention dominiert hier weniger die Heilung (kurative Medizin). Vielmehr stehen Förderung der verbliebenen Gesundheit, Symptomverbesserung und Linderung (symptomatische bzw. palliative Therapie, z. B. bei Krebskranken oder Aidskranken im Endstadium) sowie die Abmilderung von sozialen und psychischen Folgen im Vordergrund.“⁵
Eine Meldung an die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber ist nur dann erforderlich, wenn die Erkrankung dich selbst oder deine Mitmenschen gefährdet. Darunter fällt etwa eine Busfahrerin, die einen Diabetes mellitus hat und einen schlagartigen Abfall ihres Blutzuckers erleben könnte. Andernfalls besteht keine gesetzliche Verpflichtung zur Offenlegung. Bedenke aber, dass Offenheit mit Unterstützung und Erleichterung am Arbeitsplatz einhergehen und dir in die Karten spielen kann, insofern du dich damit wohlfühlst. Die Entscheidung, wie viel von deinem Privatleben und dem intimen Bereich Gesundheit du letztlich teilen möchtest, liegt natürlich ganz bei dir.
Die empfängnisverhütende Sicherheit der Kupferkette GyneFIX® wird durch die Anwendung von Vedolizumab nicht beeinträchtigt. Dennoch solltest du ein ausführliches Beratungsgespräch mit deinem Arzt oder deiner Ärztin führen, ob die Kupferkette GyneFIX® oder die Kupferspirale für dich individuell eine geeignete Verhütungsmethode darstellen.
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Quellen
¹Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). (Januar 2022). Daten und Fakten zur Frauengesundheit in Deutschland. Abgerufen am 6. März 2025 von https://www.bioeg.de/fileadmin/user_upload/Programme/2022-06_frauengesundheit_faktenblatt.pdf
²Robert Koch-Institut (RKI). (2023). Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland – wichtige Fakten auf einen Blick. Abgerufen am 6. März 2025, von https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/user_upload/RKI_Gesundheitliche_Lage_der_Frauen_in_Deutschland_Screen.pdf
³Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). (Dezember 2023). Daten und Fakten zur Frauengesundheit in Deutschland. Abgerufen am 6. März 2025, von https://www.frauengesundheitsportal.de/fileadmin/user_upload/pdf/Faktenblatt_Frauengesundheit_Stand_Dezember_2023.pdf
⁴Weltgesundheitsorganisation (WHO). (1998). Policy Brief 6: Gesundheitliche Chancengleichheit. Abgerufen am 6. März 2025, von https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/332268/Policy-brief-6-1998-4219-ger.pdf?sequence=1
⁵Heiner Fangerau, Peter Franzkowiak. Krankheit. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.). Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention. Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden. https://doi.org/10.17623/BZGA:Q4-i069-2.0 (letzte Aktualisierung am 18.06.2022)